2016

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Bereits in den Wochen und in den Tagen vor dem Festival wurde gemeinsam mit den Helfer_innen die Dekoration für das Festivalgelände zusammengestellt. Wichtig war uns, aus alten Materialien neue Objekte zu schaffen. Die Planke Nord, direkt am Rhein gelegen, bietet dafür den idealen Ort, kreativen Ideen einen freien Raum zu geben. Unter Anderem wurde für die Wilde-Herzen-Bühne ein zwei Meter großes Herz aus alten Holzresten zusammengeschraubt, Wegweiser gesägt und beschriftet, ein großes Schild gebastelt, um dem Gelände eine Atomsphäre zu geben, die wohlfühlen lässt. Das große
gemeinschaftliche Engagement und die Zusammenarbeit von Passdeutschen und Menschen, die nach Mainz geflohen sind, war enorm und hatte zeitgleich eine Leichtigkeit in sich. Etwa 20 Menschen haben bei den Vorbereitungen geholfen, weitere 20 haben für ein umfangreiches, selbstgemachtes Buffet im Backstage, für die Künstler_innen, Podiumsdiskussionsteilnehmer_innen, Helfer_innen und allen anderen, die beim Programm mitgewirkt haben. Ohne diesen Zusammenhalt und die Unterstützung würde sich ein Projekt in dieser Größenordnung nicht realisieren lassen.
Wir hatten uns zum Ziel gesetzt, einen Ort zu schaffen, an dem sich die unterschiedlichsten Menschen gemeinsam wohl fühlen. Im Rückblick lässt sich sagen, dass dieser Zustand schon lange im Vorfeld geschaffen war, ohne mühselig zu sein. Dieses Gefühl konnte in die beiden Festivaltage getragen werden. Der Fokus des Festivals war auf Positives gerichtet – ein schönes Wochenende mit vielen tollen Leuten zu verbringen, gemeinsam etwas auf die Beine stellen, zeigen, wie einfach ein Zusammenleben sein kann, wenn jeder einen kleinen Teil dazu gibt. Dennoch sollte das nicht dazu führen, dass die Augen vor dem Weltgeschehen geschlossen werden, so war in unserem Programm viele Möglichkeiten enthalten, sich zu informieren und sich zu beteiligen (s.u.).


Konzerte

Musikalisches Highlight und Headliner des Festivals war die Berliner Band „Egotronic“, die bereits 2015 schon für ein Konzert im Schlachthof Wiesbaden der Flüchtlingshilfe ein Kontingent von Gästelistenplätzen zur Verfügung stellte. Schon im Vorfeld hatte die Band ihre Freude über das Konzert bekundet. Am Freitag wurde das Festival von der Mainzer Indie und Punkband „Cool Living“ eröffnet, gefolgt von einem Geheimtipp der Indieszene – „der Ringer“. Den Abend beendete eine Rapgruppe, deren Ursprung in Syrien liegt, ihre Mitglieder zur Zeit aber in Berlin leben. Ihr 90-minütiges Konzert war geprägt von politischen Botschaften. Am Samstag wechselten sich die Konzerte auf der Wilde-Herzen-Bühne und der Bauwagenbühne ab. Eröffnet wurde das musikalische Programm von „PLEIL“, der vorab bei einem Onlinevoting die meisten Stimmen bekam. Lokaler Akt waren an diesem Tag „GoldEra/7teen4dirt“.
Besonderen Gefallen beim Publikum fand die Reggae-Band aus Ghana „K’Daanso“.
Außerdem spielten noch zwei Elektropop-Duos aus Berlin und „Nizza“, „Fangirls“ und „C is for Noir“. Als letzte Band auf der Bauwagenbühne spielte die Neu-Tor-Band aus Mainz, ein Projekt, das Neu- und Altmainzer_innen auf musikalischen Weg zusammenbringt und von der Weltakademie für Musik ins Leben gerufen wurde.


Ausstellung Natay Salim

Wir konnten die Ausstellung „(NOT) Redeem the World“ von Natay Salim auf dem Festival zeigen. Die Collagen des syrischen Künstlers konnten an beiden Tagen auf dem Gelände gegen eine Spende erworben werden, um die Finanzierung einer Siebdruckmaschine für den Künstler zu ermöglichen.
Die Werke thematisieren persönliche Erlebnisse und Begegnungen des Künstlers aus seinem Leben in der Atmosphäre des Krieges. In den Arbeiten collagiert der Künstler verschiedene Elemente wie Fotos, Skizzen, Gemälde und Teile von Magazinen und Zeitungen. Die Fotos wurden in Aleppo geschossen.

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Filmvorführung „Voices of Freedom“

Der Film wurde 2014 für den March of Freedom gedreht und geschnitten, um die Stimmen der Menschen, die aus ihren Heimatländern fliehen mussten, bis über die Europäischen Grenzen hinweg ertönen zu lassen.


Podiumsdiskussion

Teilnehmer_innen:

  • Project Shelter (Awal, Ola), setzt sich ein für ein selbstverwaltetes Zentrum für Geflüchtete und Migrant_innen in Frankfurt, besonders für diejenigen, die auf der Straße leben müssen
  • Miltiadis Oulios, freier Journalist und Buchautor aus Düsseldorf
  • Tobias Neef, Politikwissenschaftler der Universität Göttingen
  • Alessandro Novellino, Erzieher und stellv. Vorsitzender des DGB- Stadtverband in Mainz

Moderation: Marion Mück-Raab, Journalistin, Arbeitskreis Umwelt und Frieden in Kostheim, sitzt für diesen im Ortsbeirat Kostheim

Parallele Übersetzung:

  • Englisch
  • Farsi
  • bei Bedarf vorhanden gewesen wären noch: Arabisch, Somali

Als Teil des Rahmenprogramms des Herzblick Festival wurde eine Podiumsdiskussion zu den Themen „politische Teilhabe“ und „Aktivismus im Allgemeinen“ mit Redner_innen aus den Bereichen Journalismus, Wissenschaft, Gewerkschaftsarbeit und regionalen Aktivist_innen geführt. Ein besonderer Schwerpunkt in der Diskussion lag auf den Themen Flucht und Migration und die Darstellung aus unterschiedlichen Sichtweisen.
Zunächst gab es eine wissenschaftliche Analyse und Definition des Aktivismus-Begriffs. Hierbei wurde zwischen ehrenamtlicher Tätigkeit, wie Kleider- und Sachspenden, und dem Engagement auf politischer Ebene unterschieden. Im weiteren Verlauf wurden die verschiedenen Formen von politischer Teilhabe diskutiert und dargestellt. Unter anderem wurde auf ältere Strukturen, wie die der Gewerkschaft eingegangen, die das Ziel haben, Interessen einer bestimmten Gruppe Arbeitnehmer_innen zu vertreten. Als problematisch wurde angemerkt, dass diese Form in der Gegenwart nicht mehr effektiv sei, dabei wurde auch der Zusammenhang von gewerkschaftlichem Engagement und Aktivismus diskutiert. In dem Kontext ging es auch darum, wie bestehende Strukturen genutzt werden können. Zum Beispiel haben Migrant_innen als Arbeitnehmer_innen bestimmte Rechte und können auch vorhandene Beratungsmöglichkeiten in Anspruch nehmen. Problematisch sei es auch, sich für andere einzusetzen, ohne, dass diese Gruppe aktiv eingebunden würde. Das Project Shelter ist ein Beispiel dafür, wie Migrant_innen, Geflüchtete und Passdeutsche sich für eine Verbesserung der Situation in Frankfurt einsetzen und die Beteiligten selbst einen Teil der Aktivist_innen ausmachen. Ein wichtiger Punkt in der Diskussionsrunde war die Veränderung im politischen Engagement. Es sei für viele Menschen problematisch, nach einer 40-Stundenwoche bei
niedrigem Einkommen beispielsweise „noch am Samstag auf eine Demo zu gehen“. Während der ganzen Diskussion nutzen die Zuhörer_innen die Möglichkeit Fragen zu stellen und sich in die Diskussion einzubringen.


co.city lab

Co.city lab bot einen Prototyping-Workshop rund um das Thema „ein soziokulturelles Zentrum für Mainz“ und warfen einen Blick auf die bisherigen Stationen von PlatzDa!? auf dem Weg zu einem gemeinschaftlich verwalteten soziokulturellem Zentrum. Die Teilnehmenden konnten an einem Modell der Zukunft mitwirken.


Ausstellung „Salon Mayence – ein soziokulturelles Zentrum in Mainz“

Die Idee, im ehemaligen Allianzhaus an der großen Bleiche in Mainz, ein soziokulturelles Zentrum angegliedert an eine Flüchtlingsunterkunft zu verwirklichen, besteht seit der PlatzDa!?- Aktionswoche im April 2015. Um der interessierten Öffentlichkeit und den Besucher_innen des Festivals das Thema näher zu bringen, hat PlatzDa!? eine Informationstafel, die die bereits geleisteten Arbeit dokumentiert, bereitgestellt. Auf der Tafel wurden Fotos, Zeitungsartikel und bereits realisierte Projekte, wie den beiden PlatzDa!?-Aktionswochen und Zum Bauwagen, präsentiert. Thematisch wurden die Informationen in die drei Blöcke, „Was war“, „Was ist“ und „Was wird“, aufgeteilt, um die Entwicklung chronologisch darzustellen. Des Weitern lag das Konzept des „Salon
Mayence“ in Kurz-und Langform aus und bot den Besuchern eine intensive Auseinandersetzung mit dem Konzept an. Um die Besucher_innen aktiv in die Gestaltung des Projekts einzubinden, erhielten sie Möglichkeit, eigene Ideen und Vorschläge an einer Pinnwand anzubringen.

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Infostände

Es gab Infostände von

  • Medinetz Mainz
  • Viva Con Aqua
  • Saveme Mainz
  • Bildungsnetzwerk
  • AK Asyl
  • 161 Mainz und
  • Amnesty International Mainz,

die auch trotz der Nachmittagshitze am Samstag standhaft
geblieben sind und Interessierten von ihren Projekten berichteten.

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Kinderprogramm

Besonders wichtig war uns ein umfangreiches Programm für die Kleinen unter uns, das oft auch Anklang bei den Großen fand. So hatten wir zahlreiche Spielgeräte vor Ort, Kinderschminken, Schultüten basteln und ein Theater von Kindern für Groß und Klein.


Wishmobs Kindertheater

Sehr beeindruckt waren wir von den kleinen Schauspieler_innen des Wishmobtheaters, die ihre Zirkusshow bei 34 Grad durchgezogen haben. In diesem Jahr haben sich 15 Kinder aus den verschiedensten Herkunftsländern zu einer Zirkustruppe zusammen gefunden und eine Zirkusshow erarbeitet, die sich sehen lassen konnte. Clowns, Akrobaten, wilde Tiere, alles war dabei.
WishmobTheater e.V. ist eine Theatergruppe, die seit 2012 Theaterstücke für Kinder zur Aufführung bringt. Seit Herbst 2014 leitet WishmobTheater eine Kindertheatergruppe mit 20 Kindern aus sechs verschiedenen Herkunftsländern in der Mainzer Flüchtlingsunterkunft Zwerchallee. Dieses Projekt wird finanziert von dem
Bildungsgerechtigkeitsfonds der FES Stipendiatinnen und Stipendiaten, dem Ministerium für Integration, dem Migrationsbüro der Stadt Mainz und der Stiftung Juvente.

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